Kalkulation von Löhnen & Preisen

Das war der Titel einer Vortragsreise im Auftrage der Hans Conzen Kosmetik GmbH durch Deutschland. Insgesamt rund 450 Friseurinnen und  Friseure hörten zu, was ich dazu aktuell zu sagen hatte.

Mit der doppeldeutigen Aussage „Mit was Sie rechnen müssen“ ging ich dabei auch auf die Auswirkungen der EU-Währungspolitik auf die Lohn- und Preispolitik von Friseurunternehmen ein.

Erklärtes Ziel der Währungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine Inflationsrate von 2 Prozent. Das versteht die EZB unter Preisstabilität, deren Wahrung ihr Kernauftrag ist. In der FAZ vom 27.06.2015 stand: „Aktuell kämpft die EZB mit ihrem über eine Billion Euro umfassenden Anleihe-Kaufprogramm gegen eine unerwünscht niedrige Inflation.“ Deutlicher kann es nicht gesagt werden!

Gegenwärtig weist das Statistische Bundesamt Inflationsraten unter 1 Prozent aus. Das Volk spürt, dass es auf Grund täglicher Erfahrung mehr sein muss. Volkswirtschaftler bezeichnen das herablassend als gefühlte Inflation. Dazu passt ein Gedanke von Kurt Tucholsky aus der Zeitschrift Weltbühne“ im Jahre 1931: „Das Volk versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig.“

Damit ist nicht nur gemeint, dass die konkreten Erfahrungen des Einzelnen von statistischen Durchschnittswerten erheblich abweichen können, sondern auch, dass an den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Preisentwicklung  etwas nicht zu stimmen scheint. So werden z.B. technischer Fortschritt oder Qualitätssteigerungen aus den Preissteigerungen heraus gerechnet.

Gar nicht ironisch gemeint: Wenn Sie als Friseurunternehmer die Qualität ihrer Dienstleistung im weitesten Sinne und gleichzeitig die Preise dafür auch um zwei Prozent erhöhen, dann ist das statistisch auch aus dieser Sicht keine Preiserhöhung.

Für die Preispolitik von Friseurunternehmen bedeutet das konkret: Jährliche Preiserhöhungen für Friseurdienstleistungen von bis zu zwei Prozent werden von den Kunden (im Durchschnitt) mehr akzeptiert als früher. Das ist aber nur eine augenblickliche Empfehlung. Es ist zudem dringend zu raten, die augenblickliche Entwicklung im Euroraum im Auge zu behalten. Aus der gewollten Inflation von bis zu zwei Prozent kann urplötzlich eine auch gewollte  galoppierende Inflation von zwei bis fünf Prozent werden. Eine solche galoppierende Inflation ist der eleganteste Weg für die Politik, aus der Schuldenschlinge herauszukommen, die sich immer mehr zuzieht.

Zurück zu der von der Politik gewollten schleichenden Inflation, die kalkulierbar ist, solange sie noch schleichend ist. Die Entschuldung der staatlichen Schuldner ist für die Politik nicht der einzige Nutzen von inflationären Entwicklungen. Durch steigende Steuereinnahmen aus inflationären „Scheinumsätzen“ und „Scheineinkommen“ verbunden mit der Steuerprogression bei Lohn- und Einkommenssteuer steigen die staatlichen Einnahmen überproportional.

Vordringliches Ziel einer weitseitigen Unternehmensstrategie für Friseurunternehmen ist die Sicherung der Realeinkommen aller Beschäftigten, zu denen ich auch die Inhaber zähle. Das Einkommen der Inhaber der meisten Friseurunternehmen ist weitgehend Arbeitseinkommen (kalkulatorischer Unternehmerlohn) und nicht Gewinn. Sowohl bei den Einkommen der angestellten Mitarbeiter als auch der Friseurunternehmer kann erheblicher „Nachholbedarf“ bestehen. Bei den Mitarbeitern kann dieser Nachholbedarf zu erheblichen Lohnforderungen nicht nur von Bewerbern, sondern auch „gestandenen“ Mitarbeiter führen. Mindestens zwei Prozent Preis- und Lohnerhöhungen pro Jahr sind zur Zeit das Mindeste. Das reicht aber aufgrund der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt oft nicht mehr. Dann muss aber an der Qualitätsschraube zuerst und permanent gedreht werden, um Preiserhöhungen für Einkommenserhöhungen aller Beschäftigten und andere Kostensteigerungen mit geschickter Argumentation durchzusetzen. Die MARKTLÜCKE-Themenmagazine: „Kalkulation“, „Löhne und Preise“ „Qualitätsmanagement I und II“ und „Verbundmarketing I und II“ von Dieter Schneider sind die entsprechend vertiefende Gebrauchsanweisung für diese Gedanken.

Herzliche Grüße

Ihr Dieter Schneider